Kammerbezirk. Rund 33 Prozent der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk der Handwerkskammer (HWK) Dortmund planen innerhalb der kommenden fünf Jahre eine Betriebsübergabe. Davon wollen 14 Prozent bereits in den nächsten zwei Jahren übergeben, 19 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Das sind zentrale Ergebnisse einer Sonderumfrage zur Betriebsnachfolge im Handwerk, die im Frühjahr 2026 parallel zur Konjunkturumfrage der Handwerkskammer (HWK) Dortmund durchgeführt wurde. Rund 590 Betriebe aus dem Kammerbezirk Dortmund haben sich beteiligt.

„Der Generationswechsel zählt derzeit zu einer der zentralen Herausforderungen im Handwerk und betrifft nahezu alle Gewerke. Besonders im Fokus stehen dabei die Gewerke, in denen der größte Anteil der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk angesiedelt ist, also vor allem das Bau- und Ausbaugewerbe“, betont Gabor Leisten, Abteilungsleiter betriebswirtschaftliche und technische Unternehmensberatung der Handwerkskammer Dortmund. „Besonders anspruchsvoll gestaltet sich die Nachfolge in kapitalintensiven Betrieben, in denen hohe Investitionen oder umfangreiches Anlagevermögen erforderlich sind, etwa bei Tischlereien, Metallbau-, Feinwerkmechaniker- sowie Kfz-Betrieben mit größeren Immobilien oder Werkstatthallen. Für potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger stellen hier insbesondere Finanzierungsfragen eine große Hürde dar. Auch kleinere Handwerksunternehmen sind häufig betroffen, da deren wirtschaftliche Ertragslage nicht immer eine tragfähige Basis für eine Übernahme bietet. In solchen Fällen bleibt eine Nachfolge oftmals aus, was zur Aufgabe des Betriebs führen kann.“

„Die Betriebsnachfolge ist für Inhaberinnen und Inhaber ein einschneidendes, meist einmaliges Ereignis. Umso wichtiger sind eine rechtzeitige Vorbereitung und ein starker Partner an der Seite. Viele setzen dabei vor allem auf Beratung durch die Handwerkskammer oder durch Steuerberaterinnen und -berater“, so Gabor Leisten weiter. Denn auch wenn Informationen zum Übergabeprozess gut verfügbar sind, bleibe die Suche nach geeigneten Nachfolgerinnen und Nachfolgern sowie die Ermittlung des Unternehmenswertes für viele Betriebe zentrale Herausforderungen.

Jeder dritte Betrieb ohne konkrete Nachfolgeperspektive
Bei rund einem Drittel der übergabewilligen Inhaberinnen und Inhaber ist noch nicht entschieden, an wen der Betrieb übergeben werden soll. Wo es Pläne gibt, zeigt sich folgendes Bild: 38 Prozent streben eine Übergabe innerhalb der Familie an, 18 Prozent an Mitarbeitende, sieben Prozent an externe Existenzgründerinnen und -gründer und vier Prozent an Wettbewerber.
Neben der Übergabe rückt auch die Frage einer möglichen Schließung in den Blick: Sieben Prozent der Betriebe geben an, in den nächsten zwei Jahren schließen zu wollen; weitere sechs Prozent ziehen eine Schließung innerhalb von fünf Jahren in Betracht.
Beratung gefragt: Handwerkskammer ist wichtige Anlaufstellen
Für die Vorbereitung setzen viele Betriebe auf professionelle Unterstützung. 48 Prozent der Übergabewilligen nennen ihre Steuerberaterin bzw. ihren Steuerberater als zentrale Beratung, gut ein Drittel sucht gezielt die Beratung der Handwerkskammer, 18 Prozent wenden sich an andere Institutionen. Zusätzlich werden Informationsangebote genutzt, etwa Veranstaltungen der Handwerkskammer (16 Prozent) oder Medien der Handwerksorganisationen (Zehn Prozent).
Beim Thema Unternehmensbewertung zeigt sich ebenfalls ein klarer Bedarf: 28 Prozent lassen den Wert durch die Steuerberatung ermitteln, 18 Prozent nutzen die Expertise der HWK, häufig auf Grundlage des Bewertungsverfahrens der Arbeitsgemeinschaft Wertermittlung im Handwerk (AWH), die dies speziell für Handwerksunternehmen entwickelt hat. 14 Prozent schätzen selbst, während ein Drittel bislang keine Bewertung geplant oder vorgenommen hat.
Nachfolgersuche bleibt das Nadelöhr
Mit deutlichem Abstand wird die Nachfolgersuche als größte Hürde genannt. 55 Prozent sehen darin das Hauptproblem. Danach folgen Unternehmenswertermittlung (40 Prozent) und aktuelle Marktsituation (37 Prozent). Weitere Herausforderungen sind unter anderem Finanzierung des Kaufpreises (19 Prozent), zu geringe Rentabilität (16 Prozent) sowie Fragen der Personalübernahme (15 Prozent).
Auch bei der Form der Übergabe ist vieles noch in Bewegung: 38 Prozent der Befragten sind hier noch unentschieden. Genannt werden unter anderem der Verkauf des Betriebs als Ganzes (35 Prozent), Rentenzahlungen (18 Prozent) oder Schenkung (16 Prozent); weitere Modelle reichen von Vermietung bis Beteiligungslösungen.

Struktur der teilnehmenden Betriebe
Die teilnehmenden Betriebe beschäftigen im Durchschnitt 15,8 Mitarbeitende; rund 30 Prozent haben derzeit offene Stellen. Das mittlere Alter der Inhaberinnen und Inhaber liegt bei 52 Jahren. Bei den Rechtsformen dominieren Einzelunternehmen (55 Prozent), gefolgt von Personengesellschaften (15 Prozent) und Kapitalgesellschaften (28 Prozent).
Den Konjunkturbericht Frühjahr 2026 und die Sonderumfrage (Betriebsnachfolge im Handwerk) finden Sie unter:
So individuell wie ein Betrieb ist, so individuell ist auch die Betriebsnachfolge. Das Team der
→ Nachfolgeberatung der HWK Dortmund unterstützt bei der möglichst reibungslosen und erfolgreichen Übergabe eines Unternehmens.