Handwerk bleibt stabil, doch der Kostendruck ist spürbar

Jeder zweite Handwerksbetrieb erhöht seine Preise

Frühjahrskonjunktur 2026 © Accogliente Design / Shutterstock.com

Kammerbezirk. Das Handwerk im Kammerbezirk Dortmund zeigt sich im Frühjahr 2026 insgesamt weiter robust, spürt jedoch wachsenden wirtschaftlichen Gegenwind. 81 Prozent der befragten Betriebe bewerten ihre aktuelle wirtschaftliche Situation als gut oder zumindest zufriedenstellend. Gleichzeitig berichten bei zentralen Kennzahlen deutlich mehr Betriebe von Rückgängen als von Zuwächsen: bei Aufträgen, Umsatz, Investitionen und Beschäftigung.

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Steigende Kosten, steigende Preise

Der auffälligste Befund der aktuellen Konjunkturumfrage ist die Preisentwicklung: 50 Prozent der Betriebe haben in den vergangenen sechs Monaten ihre Verkaufspreise erhöht (nur 9 Prozent meldeten Preissenkungen). Mit Blick auf das kommende Halbjahr rechnen 40 Prozent der Betriebe mit weiteren Preiserhöhungen. Viele Unternehmen sehen sich durch gestiegene Energie-, Material- und Lohnkosten zu Preisanpassungen gezwungen, um wirtschaftlich stabil zu bleiben.

Besonders ausgeprägt ist dieser Trend im Kfz-Handwerk: Dort berichten 63 Prozent der Betriebe von Preissteigerungen, mehr als in allen anderen Gewerken.

Aufträge und Umsatz: Mehr Rückgänge als Zuwächse

Trotz insgesamt noch stabiler Grundstimmung zeigen die Rückmeldungen eine schwächere Dynamik im Tagesgeschäft. In den vergangenen sechs Monaten meldeten 39 Prozent der Betriebe Auftragsverluste, während lediglich 17 Prozent eine Zunahme verzeichneten. Beim Umsatz ergibt sich ein ähnliches Bild: 37 Prozent berichten von Rückgängen, 17 Prozent von Zuwächsen. Auch für die kommenden Monate überwiegen vorsichtige Erwartungen: Mehr Betriebe rechnen mit sinkenden Auftrags- und Umsatzzahlen als mit steigenden. Die durchschnittliche Auftragsreichweite liegt bei 7,3 Wochen und damit unter dem Vorjahreswert (8,0 Wochen).

Betriebe bleiben in Wartestellung

Die Zurückhaltung zeigt sich besonders deutlich bei Investitionen. In den vergangenen sechs Monaten haben 29 Prozent der Betriebe ihre Investitionen reduziert, 18 Prozent erhöht. Für die kommenden sechs Monate planen 32 Prozent eine weitere Reduzierung, nur 13 Prozent rechnen mit steigenden Investitionen.

Leichte Eintrübung, Erwartungen bleiben vorsichtig

Neben der aktuellen Lage sind auch die Erwartungen etwas gedämpfter als im Vorjahr. 79 Prozent der Betriebe erwarten für das kommende Halbjahr eine gute oder zumindest stabile Entwicklung. Aus aktueller Lage und Erwartungen ergibt sich ein Geschäftsklimaindex von 80 Prozent. Als Gründe für die vorsichtige Haltung werden unter anderem gesamtwirtschaftliche und geopolitische Unsicherheiten (u. a. Auswirkungen des Irankriegs auf Energiepreise und Lieferketten) sowie Reformdiskussionen in den Bereichen Steuern, Energie und Verwaltung genannt.

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Unterschiede in den Gewerken: Ausbau stark, gewerblicher Bedarf unter Druck

Zwischen den Gewerbegruppen zeigen sich Unterschiede: Im Ausbaugewerbe bleibt die Stimmung mit 84 Prozent positiver Lage weiterhin überdurchschnittlich, wenn auch mit rückläufigem Trend. Im Bereich der Handwerke für den gewerblichen Bedarf fällt die Lage trotz leichter Erholung am schwierigsten aus: 75 Prozent bewerten ihre Lage positiv, die Erwartungen liegen mit 71 Prozent so niedrig wie in keiner anderen Gewerbegruppe.

Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer Dortmund© HWK Dortmund

Berthold Schröder, Präsident der HWK Dortmund, betont: „Die Betriebe im Handwerk arbeiten weiter verlässlich im Tagesgeschäft, aber die Spielräume werden kleiner. Viele Auftragsbücher werden dünner, Investitionen werden verschoben, und gleichzeitig steigen Energie-, Material- und Lohnkosten. Dass so viele Betriebe ihre Preise anheben mussten, ist vor allem ein Selbstschutz, um wirtschaftlich stabil zu bleiben und kein Zeichen für Rückenwind. Für die Region heißt das: Wenn jetzt nicht mehr Planbarkeit, schnellere Entscheidungen und weniger Bürokratie kommen, wird es schwerer, Modernisierung, Klimaschutz, Wohnungsbau und Versorgung mit der nötigen Geschwindigkeit umzusetzen. Das Handwerk kann liefern, wenn die Rahmenbedingungen wieder verlässlicher werden.“

Sebastian Baranowski, Hauptgeschäftsführer der KH Dortmund Hagen Lünen© KH Dortmund Hagen Lünen

Für die Region der Kreishandwerkerschaft Dortmund Hagen Lünen zeigt sich, dass die aktuelle Lage zwar solide bleibt, zugleich blicken die Betriebe bei den Erwartungen spürbar zurückhaltender nach vorn als der Kammerdurchschnitt. Sebastian Baranowski, Hauptgeschäftsführer der KH Dortmund Hagen Lünen, resümiert: „Die Stimmung in der aktuellen Lage ist zwar insgesamt stabil, aber der Ausblick fällt spürbar vorsichtiger aus: 24 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer Verschlechterung, 55 Prozent mit gleichbleibender Entwicklung. Das deutet darauf hin, dass Betriebe zwar arbeiten können, bei Investitionen und neuen Entscheidungen jedoch stärker abwägen. Unser Wunsch ist deshalb klar: mehr Planungssicherheit und Tempo bei Verfahren und Vergaben, damit Betriebe Entscheidungen nicht vertagen müssen, sondern wieder verlässlich investieren und beschäftigen können.“

Christoph Knepper, Kreishandwerksmeister der KH Hellweg Lippe © HWK Dortmund

Im Bezirk der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe wird die aktuelle Lage etwas besser bewertet als im gesamten Kammerbezirk, die Erwartungen sind im Vergleich der Regionen eher positiv. Christoph Knepper, Kreishandwerksmeister der KH Hellweg-Lippe fasst zusammen: „Der KH-Bezirk Hellweg-Lippe zeigt eine stabile Lageeinschätzung: 82 Prozent bewerten die Situation als gut oder befriedigend. Beim Ausblick dominiert Kontinuität: 61 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Entwicklung, nur 20 Prozent mit einer Verschlechterung. Diese Stabilität ist eine gute Basis, aber sie sollte aktiv genutzt werden. Es braucht wieder mehr Leistungsorientierung und pragmatische Lösungen statt zusätzlicher Hürden. Nur so schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass Betriebe investieren, Fachkräfte binden und wir wirtschaftlich nicht zurückfallen.“

Wolfgang Hoffmann, Kreishandwerksmeister der KH Ruhr© Jens Südmeier / Tischler NRW

Im Bezirk Ruhr wird die aktuelle Lage etwas verhaltener bewertet, die Erwartungen fallen regional jedoch etwas optimistischer aus. Wolfgang Hoffmann, Kreishandwerksmeister der KH Ruhr, bestätigt: „Im Bezirk Ruhr bewerten 78 Prozent der Betriebe ihre Lage als gut oder befriedigend. Das ist solide, liegt aber etwas unter den anderen Teilregionen. Gleichzeitig sind die Erwartungen ausgewogen: 60 Prozent erwarten eine gleichbleibende Entwicklung, 20 Prozent eine Verbesserung und 20 Prozent eine Verschlechterung. Für uns heißt das: Im Ruhr-Bezirk kommt es jetzt besonders darauf an, die aktuelle Stabilität zu festigen: Indem Projekte zügig in die Umsetzung kommen und Betriebe bei Modernisierung und Investitionen nicht ausgebremst werden. Dann kann sich die eher nüchterne Lageeinschätzung auch wieder nach oben bewegen.“

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