Obermeistertag 2025: Handwerk fordert bessere Rahmenbedingungen und ehrt jahrzehntelanges Engagement

„Anpacken. Gestalten. Vorangehen“

Obermeistertag 2025 HWK Dortmund © Xian-Art / Handwerkskammer Dortmund

Kammerbezirk. Aktuelle politische Entwicklungen und die derzeitige Lage für das Handwerk standen im Mittelpunkt des gestrigen Obermeistertags der Handwerkskammer (HWK) Dortmund. Kammerpräsident Berthold Schröder lud dazu die Spitzenvertreter von Innungen und drei Kreishandwerkerschaften aus dem Dortmunder Kammerbezirk sowie zahlreiche Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ein.

„Das Handwerk ist eine starke Wirtschaftsmacht: Rund 20.000 Betriebe, Zehntausende Beschäftigte und Auszubildende – sie alle stehen für Leistungsfähigkeit, Verlässlichkeit und Innovationskraft“, betonte Schröder. Angesichts großer Transformationsprozesse in Deutschland – energetisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich – sei das Handwerk unverzichtbar. „Ohne das Handwerk wird es keinen Fortschritt geben“, so Schröder.

Er kritisierte die aktuelle Belastung der Betriebe durch hohe Energiekosten, steigende Sozialabgaben und Bürokratie. Insbesondere die jüngst beschlossenen Entlastungen bei der Stromsteuer bezeichnete er als unzureichend: „Das aufwändige Antragsverfahren steht in keinem Verhältnis zum Nutzen. Viele Betriebe verzichten daher auf die Beantragung.“ Schröder forderte echte Entlastungen, eine Deckelung der Sozialabgaben und technologieoffene Lösungen bei der Umsetzung der Klimawende.

Positiv bewertete Schröder das Engagement der Landesregierung für das Handwerk, etwa bei der Förderung der überbetrieblichen Ausbildung und der Modernisierung der Bildungsstätten. Die geplante Reform des kommunalen Vergaberechts bezeichnete er hingegen als Herausforderung, die sowohl Chancen als auch Risiken für das Handwerk berge. Vergaben könnten dadurch tatsächlich einfacher, schneller und effizienter gestaltet werden. Auf der anderen Seite bestehe das Risiko, dass auf diesem Wege möglicherweise einer Ausweitung von Generalunternehmervergaben Tür und Tor geöffnet wird. „Das wäre für das Handwerk eine schlechte Entwicklung“, so der Präsident.

Die Entwicklung der Ausbildungszahlen im Kammerbezirk betrachtet Schröder mit Sorge: „Ende Oktober verzeichneten wir ein Minus von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.“ Um gegenzusteuern, setzt die HWK Dortmund auf neue Projekte und eine enge Zusammenarbeit mit den Kreishandwerkerschaften, um Betriebe und Ausbildungssuchende besser zusammenzubringen.

Mit Blick auf Positionierung des Verbandes der Familienunternehmer zum Umgang mit der AfD betonte er, dass das Handwerk auch eine Wertegemeinschaft sei. Dazu gehörten Weltoffenheit, Toleranz und ein respektvolles Miteinander. Wer diese Werte nicht teile, dürfe auch nicht auf Unterstützung hoffen. 

Ein besonderer Höhepunkt des Abends war die Ehrung von Friedrich Korte. Für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement im Zimmererhandwerk und seinen Einsatz für die Ausbildung junger Menschen wurde er mit der Goldenen Ehrennadel der HWK Dortmund ausgezeichnet – die höchste Auszeichnung des Hauses. Korte ist dem Handwerk auf vielfältige Weise eng verbunden: als Ehrenobermeister, als Sachverständiger der HWK Dortmund mit dem Schwerpunkt Fachwerk sowie als stellvertretender Vorsitzender des Fachverbandes „Zimmerer Westfalen“.

Kammerpräsident Berthold Schröder (l.) zeichnete Friedrich Korte für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement im Zimmererhandwerk und seinen Einsatz für die Ausbildung junger Menschen mit der Goldenen Ehrennadel der HWK Dortmund aus.© Xian-Art / Handwerkskammer Dortmund

„Das Handwerk ist bereit, Verantwortung zu übernehmen. Wir können Transformation, Ausbildung und Zukunft. Dafür brauchen wir Rahmenbedingungen, die uns ermöglichen, das zu tun, was wir am besten können: Anpacken, gestalten, vorangehen“, schloss Schröder.