Präsident Berthold Schröder zum Bürokratieabbau

Dokumentations- und Informationspflichten, Paragrafen-Wirrwarr und eine sich ständig ändernde Gesetzgebung: Das Handwerk ächzt unter den Belastungen, die durch bürokratische Vorgaben entstehen. Besonders die kleinen und mittleren Betriebe, in denen jede Hand gebraucht wird, werden durch Bürokratie stark ausgebremst.

Als Handwerksmeister und Inhaber eines Holzbauunternehmens weiß ich, wie sehr die Überregulierung das eigentliche Tagesgeschäft beeinflusst. Statt sich um ihre eigentlichen Aufgaben zu kümmern, sind Unternehmer teilweise bis spät abends damit beschäftigt, Formulare auszufüllen und ihren Meldepflichten nachzukommen. So kann und darf es nicht weitergehen. Ein gewisses Maß an Bürokratie ist notwendig, um Rechtssicherheit zu gewährleisten und unsere komplexen Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen zu ordnen. Doch die bürokratischen Vorgaben haben mittlerweile ein kritisches Maß erreicht. Wir brauchen einen leistungsfähigen Mittelstand, der die lokale Wirtschaft antreibt und Ausbildungs- und Arbeitsplätze zur Verfügung stellt.

Dafür benötigen die Betriebe wieder mehr Freiräume, um ihrer eigentlichen Arbeit nachzugehen und auch Innovationen und neue Geschäftsmodelle anzustoßen; das ist mit Blick auf den digitalen Wandel von allergrößter Wichtigkeit. Denn der betriebliche Erfolg wir künftig stark davon abhängen, wie innovationsfähig und flexibel ein Unternehmen ist. Gleichzeitig kann die Digitalisierung einen erheblichen Beitrag beim Bürokratieabbau leisten, indem sie Verfahren in der öffentlichen Verwaltung verschlankt und damit anfallenden „Papierkram“ reduziert. Eine beschleunigte Digitalisierung öffentlicher Verwaltungsprozesse sollte daher ein wesentlicher Aspekt künftiger Entlastungen sein.

Bund und Land haben bereits Maßnahmen zum Abbau von Bürokratie in Gang gesetzt. In der Praxis kommen diese Erleichterungen jedoch kaum an. Das liegt größtenteils daran, dass der Bürokratiebegriff der Politik nicht dem Belastungsverständnis der Betriebe entspricht. Um für spürbare Entlastungen zu sorgen, ist es wichtig, sowohl Abbau-Prozesse als auch neue Gesetzgebungen stärker an der betrieblichen Realität auszurichten. Statt die Unternehmer von vorneherein unter Generalverdacht zu stellen, sollten Betriebe vielmehr als Partner einbezogen werden, da sie am besten wissen, wo die eigentlichen Belastungen liegen.

Die Handwerkskammer Dortmund setzt sich in Zusammenarbeit mit ihren Dachorganisationen dafür ein, konkrete Beispiele aus dem betrieblichen Alltag an die Politik weiterzuleiten und im Dialog mit politischen Entscheidungsträgern auf dringende Missstände und Handlungsbedarfe hinzuweisen und den Bürokratieabbau weiter voranzutreiben.

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Jennifer Brox

Jennifer Brox

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