26. Juni 2017 Ruhr-Handwerk: Mehr Berufsfelderkundung in Werkstätten!


Die Präsidenten der drei Handwerkskammern an der Ruhrschiene warnen vor einer größer werdenden Lücke beim Fachkräfte-Nachwuchs. „Bei der Berufswahl von Jugendlichen darf das Handwerk gerade in dieser Region nicht aus dem Blick geraten“, betonen Berthold Schröder (Dortmund), Andreas Ehlert (Düsseldorf) und Hans Hund (Münster) in einer gemeinsamen Erklärung.

Die Kammer-Präsidenten beklagen ein ausgeprägtes Ungleichgewicht auf dem handwerklichen Ausbildungsmarkt im Revier. Einerseits blieben immer mehr Ausbildungskapazitäten in den heimischen Handwerksunternehmen ungenutzt, andererseits herrsche in Teilen Lehrstellenmangel. „Wir müssen Ausbildungswünsche und das vorhandene Angebot besser zusammenbringen“, so Schröder. Das gehe aber nur, wenn die Unternehmen ihre Ausbildungskapazitäten „möglichst flächendeckend“ für Betriebspraktika öffneten.

Fast jeder zweite Schüler an Rhein-Ruhr, Emscher und Lippe wechsle heute auf ein Gymnasium und sei anschließend für eine gewerblich-technische Berufswahl weitgehend verloren. „Gerade der Ruhr-Raum benötigt qualifizierte Facharbeiter, Gesellen, Techniker und Meister, um bestehende Betriebe zukunftssicher zu machen und Innovationen und Unternehmens-Gründungen anzukurbeln, betont Ehlert.

Gemeinschaftlich appelliert das Präsidenten-Trio an die Mitgliedsunternehmen in den jeweiligen Kammerbezirken, ihre Werkstätten konsequent zu öffnen und den Schulen aktiv für die Berufsfelderkundung anzubieten. „Sie können auf diese Weise bestens für sich und ihren Beruf werben und Kontakte knüpfen.“
Andererseits sollten die Schulen ihre Berufsorientierung verstärkt auf Handwerk und Mittelstand ausrichten. „Das Regierungsprogramm ,Kein Abschluss ohne Anschluss‘ weist grundsätzlich in die richtige Richtung. Ein Tagespraktikum im achten Schuljahr und ein Betriebspraktikum im neunten sind als berufsvorbereitendes Angebot eines Gymnasiums nominell eine Verbesserung. Aber da müssen dann auch mal eine Werkstatt, ein Labor oder eine Produktionshalle dabei sein!“, fordert Hund.

Gemeinschaftlich mahnen die Handwerkspräsidenten eine Verstärkung und größere Praxisnahe der vermittelten curricularen Inhalte über Wirtschaft und Beruf an, verbindlichen Werkkunde-Unterricht, zusätzliche Fachlehrer in MINT-Fächern und eine auch für Schülerinnen attraktive Vermittlung techniknaher Berufsbilder an. „Auch das Berufsabitur muss kommen – in ganz Nordrhein-Westfalen.“

Derzeit nehmen in der achten Jahrgangsstufe landesweit nur rund 175.000 Schülerinnen und Schüler an Praktika zur Berufsfelderkundung teil. Nicht viel, wenn man bedenkt, dass es bis Ende 2018/19 schon über 500.000 sein sollen. „Von mehr Werkstattluft in der Schulzeit profitieren alle: die jungen Menschen, die Unternehmen, die viele junge Menschen für ihre Ausbildung kennenlernen und interessieren können, und die Volkswirtschaft in der früheren Industrieregion.“

Ganz wichtig: Praktikumsangebote bitte melden bei den Schulen im Umfeld (Berufsorientierungs-Büro) den Kommunalen Koordinierungsstellen für die Maßnahme „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (in jeder kreisfreien Stadt und jedem Landkreis eingerichtet, unterhalten meist lokale Internetportale, u.a. mit Listungsmöglichkeit für teilnehmende Unternehmen; Kontakt z.B. über die Schulverwaltungsämter)