19. Dezember 2016 Handwerkswirtschaft boomt / Herausforderungen bei der Nachwuchsgewinnung


Aufträge, Beschäftigte, Umsätze: Das Handwerk im Kammerbezirk Dortmund verzeichnet ein neues konjunkturelles Rekordhoch. „Die Geschäftslage wird von unseren Unternehmern so gut bewertet wie seit Jahren nicht mehr“, sagt Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer (HWK) Dortmund. Die gute Entwicklung werde sich in den kommenden Monaten sicherlich fortsetzen.
 
Gründe für das hervorragende Geschäftsklima seien unter anderem konsumfreudige Verbraucher, sinkende Zinsen, steigende Löhne und eine gute Binnenkonjunktur.
 
Die Zahl der neu abgeschlossenen Lehrverträge im Kammerbezirk (insgesamt 3.652) sei indes mit -66 / -1,78 Prozent leicht rückläufig, so Schröder. Bei den betrieblichen Ausbildungsstellen gebe es im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 1,6 Prozent (-55 Ausbildungsstellen).
 
Schröder: „Sinkende Schülerzahlen und ein Trend zur Akademisierung hinterlassen auch im Handwerk ihre Spuren. Im Sommer waren in unserer Lehrstellenbörse so viele Ausbildungsplätze unbesetzt wie noch nie.“ Aktuell seien noch 46 unbesetzte Stellen für 2016 gemeldet, für das Ausbildungsjahr 2017 weit über 700 Stellen.
 
Ein weiterer Faktor für die Schwierigkeit, Ausbildungsplätze zu besetzen, seien die teils tradierten Vorstellungen über Handwerksberufe: „In den Köpfen vieler Jugendlichen hat Handwerk noch immer ein verstaubtes Image. Dabei sind modernste Techniken wie Smart Home und 3-D-Druck längst in den Alltag deutscher Handwerker eingezogen.“
 
Schröder betont, dass die berufliche Ausbildung junger Menschen nach wie vor das wichtigste Element zur Fachkräftesicherung sei. „Wir setzen Vieles daran, den Negativtrend zu stoppen und werden dafür im kommenden Jahr verstärkt neue Wege bei der Nachwuchsgewinnung gehen.“ Erst kürzlich habe die Dortmunder Kammer den Smartphone-Videowettbewerb „Mein Job ist mein Ding“ für Auszubildende gestartet. „Wir erhoffen uns dadurch viele neue Impulse.“
 
Ein weiteres wichtiges Thema für die Kammer Dortmund und ihre Mitgliedbetriebe bleibe die fortschreitende Digitalisierung.
„Unsere Unternehmen beim digitalen Wandel zu unterstützen, ist einer unserer Schwerpunkte.“ So plane man für 2017 bereits ein zweites großes Symposium zum Thema Handwerk 4.0, auf dem sich Unternehmer über verschiedene Aspekte von Digitalisierung und ihrer Umsetzung im Arbeitsalltag informieren können. Zusätzlich werde man eine gezielte Betriebsberatung für diesen Bereich anbieten.
 
Aber auch auf dem Gebiet der Flüchtlingsintegration werde man aktiv bleiben, so der Kammer-Präsident. „Mit unserem dritten Flüchtlingsprojekt, das wir Mitte November in Kooperation mit den Arbeitsagenturen und Jobcentern für Dortmund, Hamm und den Kreis Unna gestartet haben, möchten wir weitere 40 Flüchtlinge in eine Ausbildung vermitteln.“ Aktuell durchlaufen über 80 junge Menschen aus unsicheren Herkunftsländern eine handwerkliche Ausbildung im Kammerbezirk. Schröder: „Ich bin mir sicher, dass wir durch unser bisheriges Engagement auf diesem Gebiet bereits viele motivierte Fachkräfte für das Handwerk gewonnen haben.“