25. November 2016 „Es reicht nicht aus, nur zu informieren“


Rund 130 Gäste empfing Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer (HWK) Dortmund, heute zum Obermeistertag. Neben Spitzenvertretern von 133 Innungen und fünf Kreishandwerkerschaften aus dem Dortmunder Kammerbezirk kamen zahlreiche Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ins HWK-Bildungszentrum Ardeystraße. Den Gastvortrag hielt Prof. Dr. Heiko Kopf von der Hochschule Hamm-Lippstadt.
 
Schröder ging in seiner Rede auf die Digitalisierung ein, die im Handwerk auch weiterhin ein Dauerthema bleiben werde, so der Kammer-Präsident. Trotz eines enormen Dienstleistungsangebots und Veranstaltungen zum Thema reiche es jedoch nicht aus, ‚nur‘ zu informieren. „Wir möchten näher an die Betriebe herankommen und direkt vor Ort konkrete Hilfestellung leisten. Daher werden wir im kommenden Jahr eine spezielle Beratung für den Bereich Handwerk 4.0 anbieten.“ Er glaube, dass man damit die Handwerker an der Basis am besten erreichen könne. Sie beim digitalen Wandel zu unterstützen, sei in doppelter Hinsicht wichtig: „Wer nicht mit der Zeit geht, wird nicht nur unattraktiv für den Kunden, sondern auch für den Nachwuchs.“
 
Schröder kam zudem auf das Thema „Hygieneampel“ zu sprechen. Laut des aktuellen Gesetzesentwurfs der Landesregierung sollen ab 2017 alle Betriebe, die Lebensmittel verkaufen oder erzeugen, die Ergebnisse der amtlichen Lebensmittelkontrollen öffentlich aushängen. Das gehe laut Schröder jedoch an der Realität vorbei. „Vergeblich haben wir auf die bürokratischen Belastungen hingewiesen. Dem Verbraucherschutz ist doch nicht damit gedient, dass ein Bäckermeister wegen Versäumnissen in den umfangreichen Dokumentationspflichten eine rote Ampel an die Tür gehängt bekommt.“ Die wirtschaftlichen Folgen seien für betroffene Unternehmen unübersehbar.
 
Der Kammer-Präsident appellierte an die Obermeister, sich weiterhin aktiv in der Nachwuchsgewinnung einzubringen. „Begeistern Sie die jungen Menschen für das Handwerk. Zum Beispiel mit interessanten Praktika im eigenen Betrieb und stellen Sie weiterhin Ausbildungsplätze zur Verfügung. Denn die fehlenden Auszubildenden von heute sind die fehlenden Fachkräfte von morgen.“
 
Mit Blick auf die Ausbildungssituation in Handwerk sagte Schröder, dass die duale Berufsausbildung immer weniger geschätzt werde. Auch die hohe Zahl an unbesetzten Lehrstellen sei in diesem Jahr so hoch wie noch nie gewesen. „Dass angesichts solcher Tendenzen der Frust in den Betrieben steigt, kann ich gut verstehen. Und es wundert mich auch nicht, dass sich immer mehr Unternehmer aus der Berufsbildung zurückziehen. Wenn dieser Trend jedoch weiter Schule macht, haben wir am Ende das Nachsehen. Was wir heute versäumen, wird uns in der Zukunft teuer zu stehen kommen.“ Schröder merkte an, dass der Bedarf an qualifizierten Fachkräften in Zukunft weiter in die Höhe schnellen werde. Nicht zuletzt mit Blick auf die Digitalisierung. Und mit der dualen Berufsausbildung habe man bereits das beste Werkzeug, um sich künftigen Herausforderungen stellen zu können.
 
Prof. Dr. Heiko Kopf von der Hochschule Hamm-Lippstadt ging anschließend auf digitale Trends und Möglichkeiten im Punkto „Handwerk 4.0.“ ein. „Entscheidend ist die Sichtbarkeit zum Endkunden, der andere Verhaltensweisen an den Tag legt. Danach muss sich die Arbeitsorganisation richten. Es muss geprüft werden, ob man Dienstleistungen anpassen oder erweitern sollte. Auf Handwerk 4.0 sollte man Schritt für Schritt zugehen und nicht nach einer generalisierten Lösung suchen.“