26. November 2015 Duale Ausbildung kann beste Praxis sein


Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer (HWK) Dortmund, empfing am Donnerstagabend (26.11) rund 150 Gäste zum Obermeistertag. Neben Spitzenvertretern von 133 Innungen und fünf Kreishandwerkerschaften aus dem Dortmunder Kammerbezirk kamen zahlreiche Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ins HWK-Bildungszentrum Ardeystraße. Den Gastvortrag hielt Rolf-Dieter Krause, Leiter des ARD-Studios Brüssel.

In seiner Rede ging der Kammer-Präsident zunächst auf das Flüchtlingsprojekt der HWK Dortmund ein. „22 Flüchtlinge aus aktuellen Krisengebieten werden seit August in verschiedenen Handwerksunternehmen im Kammerbezirk ausgebildet – zwei von ihnen bei der HWK Dortmund.“ Zuvor habe man die Teilnehmer mit Intensivschulungen in Deutsch und Mathematik auf die Ausbildung vorbereitet. Dass man damit an der richtigen Stelle angesetzt habe, zeige die hohe Motivation der Flüchtlinge. „Sie sind ehrgeizig und nutzen ihre Chance auf einen Neuanfang.“

Schröder kündigte an, dass die Flüchtlingsinitiative im kommenden Jahr nicht nur weitergehen, sondern auch ausgeweitet werde. Dazu appellierte er an die anwesenden Obermeister und Handwerksvertreter, das Projekt durch die Bereitstellung von zusätzlichen Ausbildungsplätzen weiter zu unterstützen. Denn Ausbildung und Beschäftigung seien beste Garanten für eine erfolgreiche Integration. Schröder: „Damit die Flüchtlinge nicht in die gesellschaftliche Isolation rutschen, brauchen sie eine langfristige Zukunftsperspektive. Hier sind wir gefragt!“

In diesem Zusammenhang hob der Kammer-Präsident den hohen Stellenwert der dualen Berufsausbildung hervor. Es komme nicht von ungefähr, dass die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland mit 7,8 Prozent die niedrigste in ganz Europa sei. „Es ist bezeichnend, dass die Ausbildungssysteme in vielen europäischen Ländern derzeit reformiert werden. Das deutsche Modell kann hier Beste Praxis für Europa sein!“

Mit Blick auf die aktuelle Konjunktur sagte Schröder: „Das Handwerk im Kammerbezirk  befindet sich weiter im Stimmungshoch.“ So seien 87 Prozent der Unternehmen mit ihrer Geschäftslage zufrieden. 90 Prozent rechneten für die nächsten Monate sogar mit einer positiven Entwicklung. Auch im Bereich Beschäftigung sehe es gut aus. Demnach hätten 22 Prozent der Betriebe in den vergangenen Monaten Personal eingestellt, bei 62 Prozent blieb die Mitarbeiterzahl stabil.

Als große Herausforderung nannte Schröder die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung von Fertigungstechniken. „Das Thema Handwerk 4.0 wird für uns einer der Schwerpunkte der kommenden Jahrzehnte sein“, so der Kammer-Präsident. Die HWK Dortmund unterstütze ihre Unternehmen bei diesem Wandel durch regelmäßige Informationsveranstaltungen und Kooperationen - zum Beispiel mit dem Kompetenzzentrum Fraunhofer IML in Dortmund.

In seinem Vortrag befasste sich EU-Experte Rolf-Dieter Krause anschließend mit der aktuellen Lage des Handwerks in Europa. Dabei ging er unter anderem auf den Erhalt des Meisterbriefs ein. „Auch wenn die jahrelangen Versuche, vor allem der EU-Kommission, die handwerkliche Betätigung vom Meistervorbehalt zu entkoppeln, beendet sind, tut das Handwerk dennoch gut daran, Brüssel aufmerksam zu beobachten. Denn es bleibt von europäischer Politik betroffen, egal, ob es um Flüchtlinge geht oder um die Schaffung des digitalen Binnenmarktes.“