04. September 2019 Vom Vermittlungsverfahren über Bauschlichtung bis zur Mediation


Foto: © Brillowski

Man stelle sich drei unterschiedliche Szenarien vor: Ein privater Bauherr ist nach Beendigung der Bauarbeiten mit der Abwicklung einer Handwerksleistung  unzufrieden. Zwei  gleichberechtigte Geschäftsführer sind sich unklar über die Verteilung der Zuständigkeiten im Unternehmen. Und ein Familienunternehmer möchte seinen Betrieb noch nicht in die Hände des Sohnes legen, obwohl dieser längst bereit dafür wäre. Früher oder später kommt es bei allen zum Konflikt, der sich im ungünstigsten Fall verhärtet. In letzter Instanz landen solche Angelegenheiten nicht selten vor Gericht, was für die Beteiligten neben hohen Kosten häufig auch viel Frustration mit sich bringt. Damit es gar nicht erst soweit kommt, kann die Handwerkskammer (HWK) Dortmund als erste und bestenfalls letzte Anlaufstelle bei unternehmensbezogenen Konflikten helfen.
 
Vom Vermittlungsverfahren über Bauschlichtung bis hin zur Mediation – der HWK-Service kann viel Ärger, Zeit  und auch Geld sparen.
„Mit unserer Bauschlichtungsstelle bieten wir Auftraggebern und Auftragnehmern, die sich außergerichtlich einigen möchten, eine rasche und kostengünstige Streitbeilegung“, erklärt Dirk Haarmann, der sich als erster Ansprechpartner um Bauschlichtungsangelegenheiten und Vermittlungsverfahren bei der HWK Dortmund kümmert. Er nimmt die Schlichtungsanfragen auf und klärt zunächst den Sachverhalt. Beide Streitparteien müssen dem Verfahren freiwillig zustimmen, bevor es in die nächste  Ebene geht.
 
„Wir arbeiten ähnlich wie im Ombudsmannverfahren mit einem baurechtlich versierten Schlichter zusammen. In unserem Fall ist das Prof. Jürgen Ulrich, Richter im Ruhestand und Vorsitzender der Bauschlichtungsstelle der HWK Dortmund, mit jahrzehntelanger Erfahrung. Er kümmert sich  nach genauer Sichtung der Unterlagen um einen schnellen Termin mit beiden Streitparteien, um eine Lösung zu finden“, so Haarmann. Solche Termine fänden immer auf neutralem Boden in der HWK Dortmund statt. Ziel ist eine Einigung ohne Gerichtsverfahren. Oftmals geschieht dies bereits nach dem ersten Termin. Das zustande gekommene Ergebnis wird anschließend rechtlich bindend festgesetzt, da die Bauschlichtungsstelle über die Berechtigung des Justizministeriums NRW verfügt, abgeschlossene Vergleiche mit einer Vollstreckungsklausel zu versehen.
Haarmann: „Teilweise laufen gerichtliche Verfahren über Jahre. Viele Fälle, die über uns abgewickelt wurden, sind schon nach dem ersten Gespräch geklärt.“
 
HWK-Unternehmensberaterin Birgit Hemsing hilft als Mediatorin ebenfalls bei der Lösung von Konflikten. Bei ihren Einsätzen geht es oftmals um persönliche Probleme, zum Beispiel bei der Regelung der Familiennachfolge, Differenzen zwischen Inhabern eines Betriebs oder  zwischen Mitarbeitern. Wer verstehen will, wie die Mediatorentätigkeit funktioniert, dem erklärt es Hemsing gerne anhand eines einfachen Beispiels: „Sagen wir, drei Parteien streiten sich um einen Kürbis. Nun soll geklärt werden, wer wie viel Kürbis bekommt. Ein möglicher Kompromiss wäre es, den Kürbis durch drei zu teilen oder nur einem alles zu geben. Als Mediatorin versuche ich als neutrale Dritte zunächst herauszufinden, warum die einzelnen Parteien den Kürbis überhaupt wollen. Und dann stellt sich vielleicht heraus, dass Person 1. die Kerne als Vogelfutter braucht, Person 2. braucht das Fruchtfleisch für eine Suppe und Person 3. braucht die Fruchthülle für eine Halloween-Laterne. Nach Klärung der individuellen Interessen kann der Kürbis also so aufgeteilt werden, dass jeder am Ende zufrieden ist. Das wäre natürlich der Idealfall.“
 
Wer Hemsings Hilfe bei Konflikten  hinzuzieht, benötigt  etwa drei bis vier Termine à 1,5 Stunden in denen über die Mediation aufgeklärt, Differenzen erörtert  und Lösungspunkte erarbeitet werden. Zum Schluss, so Hemsing, entstehe aus den gemeinsamen Gesprächen eine Mediationsvereinbarung, an der sich beide Parteien künftig orientieren können.
 
 
Kontakt
Birgit Hemsing
Tel.:       0231 5493-417
E-Mail:   birgit.hemsing@hwk-do.de
 
Dirk Haarmann
Tel.:       0231 5493-159
E-Mail:   dirk.haarmann@hwk-do.de
 
 
Weitere Informationen gibt es hier