25. September 2019 Handwerksunternehmer bleiben vorsichtig optimistisch


Foto © HWK Dortmund (v.l.) HWK-Präsident Berthold Schröder in der Werkstatthalle der Firma Röll mit Geschäftsführer Detlef Röll.

Die Stimmungslage im Handwerk hat sich nach den Rekordwerten der letzten zwei Umfragen ein wenig abgekühlt. Lediglich 92 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut bis zufriedenstellend (Herbst 2018: 94%). Mit sogar nur 91 Prozent liegt der Wert der Erwartungen für die kommenden sechs Monate unterhalb des Wertes für die aktuelle Geschäftslage. Immerhin: Bei den Konjunkturindikatoren wie Umsatz, Nachfrage oder Beschäftigtenzahl, gaben mehr Betriebe einen Anstieg als einen Rückgang an. Die Auftragsreichweite des Handwerks liegt im Durchschnitt bei achteinhalb Wochen.
 
Ausbau- und Bauhauptgewerbe tragen die Konjunktur
 
Besonders zufrieden mit der aktuellen Geschäftslage sind die Unternehmer aus dem Ausbaugewerbe mit 96 Prozent. Die Erwartungen für das nächste halbe Jahr sind jedoch gesunken: 93 Prozent rechnen weiterhin mit einer guten Geschäftslage.

 
 AusbaugewerbeHandwerk gesamt
Beschäftigte26%  25%
Auftragsbestand40%  37%
Verkaufspreise41%  34%
Gesamtumsatz30%  30%
Investitionen25%  27%
(Anteil der Befragten, die mit gestiegen geantwortet haben)
 
Im Bauhauptgewerbe sieht es ähnlich positiv aus. 95 Prozent der Befragten sind zufrieden. Die Erwartungen an eine gute Geschäftslage für das kommende halbe Jahr liegen bei 92 Prozent.
 
 BauhauptgewerbeHandwerk gesamt
Beschäftigte28%  25%
Auftragsbestand42%  37%
Verkaufspreise37%  34%
Gesamtumsatz37%  30%
Investitionen30%  27%
(Anteil der Befragten, die mit gestiegen geantwortet haben)

Der positive Trend des Baubooms setzt sich weiter fort. Durch das anhaltend niedrige Zinsniveau wird mehr ins Eigenheim investiert. Dabei arbeiten 54 Prozent der Betriebe im Ausbauhandwerk und sogar 59 Prozent der Betriebe im Bauhauptgewerbe bereits mit einem Auslastungsgrad von 100 Prozent oder mehr.
 
Kammer-Präsident Berthold Schröder: „Trotz des kleinen konjunkturellen Dämpfers liegt die Zufriedenheit der Betriebe mit 92 Prozent weiterhin auf einem hohen Niveau. Besonders erfreulich ist, dass erneut mehr Betriebe neue Aufträge dazugewonnen haben und auch die Zahl der Beschäftigten gestiegen ist. Rund 20 Prozent der Befragten wollen in den kommenden sechs Monaten neue Mitarbeiter einstellen.“
 
Das Handwerk für den gewerblichen Bedarf bleibt trotz einer guten ersten Jahreshälfte vorsichtig. Mit einer Beurteilung der aktuellen Geschäftslage von 91 Prozent (Herbst 2018: 93 Prozent) bleibt das Niveau relativ stabil. Die Erwartungen an die kommenden sechs Monate sind mit 84 Prozent aber deutlich geringer. Grund dafür können erste Signale der schwächelnden Konjunktur aus vereinzelten Industriezweigen sein.
 
Die konjunkturelle Hochphase des Kfz-Handwerks aus dem letzten Herbst scheint vorüber. 93 Prozent waren im Vorjahreszeitraum mit ihrer Geschäftslage zufrieden, jetzt sind es nur noch 88 Prozent. Fast sämtliche Konjunkturindikatoren sind im Kfz-Handwerk negativer beurteilt worden als im übrigen Handwerk. Besonders auffällig ist dabei der Auftragsbestand, bei dem lediglich 26 Prozent mit „gestiegen“ geantwortet haben (gegenüber 37 Prozent im Handwerk gesamt). Gleiches gilt für den Gesamtumsatz (21 Prozent gegenüber 30 Prozent). Lediglich bei den Investitionen (37 Prozent) liegt das Kfz-Handwerk über dem übrigens Handwerk (27 Prozent). Wesentliche Erfolgstreiber im Kfz-Bereich waren der wirtschaftliche Expansionskurs sowie Investitionsbereitschaft von Unternehmen.
 
Für die Herbst-Konjunktur bewerteten 87 Prozent der Betriebe im Nahrungsmittelhandwerk ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend (Herbst 2018: 94 Prozent). Grund für die vorsichtigere Einschätzung ist unter anderem der Fachkräftemangel sowie steigende Rohstoffkosten.
 
Die Stimmung im Gesundheitshandwerk stabilisiert sich mit 91 Prozent auf einem hohen Niveau. Von allen Gewerbegruppen blicken die Unternehmer des Gesundheitshandwerkes am positivsten auf das nächste halbe Jahr (94 Prozent). Wesentlich zum Erfolg beigetragen haben die Digitalisierung und die günstige Arbeitsmarktentwicklung in Form von einer niedrigen Inflationsrate und tariflichen Lohnerhöhungen.
 
Traditionell ist die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage bei den Personenbezogenen Dienstleistungen aufgrund einer sehr hohen Wettbewerbsintensität regelmäßig schlechter als im übrigen Handwerk. Nur 78 Prozent der Befragten sind mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden. Auffällig: bei nur neun Prozent der Betriebe ist die Zahl der Beschäftigten gestiegen, im übrigen Handwerk sind es immerhin 25 Prozent. Dennoch gehen 90 Prozent der Unternehmer im personenbezogenen Dienstleistungsbereich davon aus, dass sich ihre Geschäftslage im nächsten halben Jahr nicht verschlechtern wird.
 
Vergleicht man die fünf Bezirke der Kreishandwerkerschaften (KH) innerhalb des Kammerbezirks, so ergibt sich ein durchweg positives Stimmungsbild. Besonders zufrieden sind die Unternehmer im Bezirk der KH Hagen: 95 Prozent der Befragten haben positive Erwartungen für die Zukunft und ganze 70 Prozent schätzen ihre aktuelle Lage als gut ein. Weniger zuversichtlich sind die Unternehmer aus den Bezirken Herne (53 Prozent) und Dortmund / Lünen (55 Prozent).

Den gesamten Konjunkturbericht und die Sonderumfrage gibt es hier.




















 
(v.l.) Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer Dortmund, Simon, Ingrid und Detlef Röll Geschäftsführer
der Röll Metallbau GmbH und Gabor Leisten, Leiter der HWK-Unternehmensberatung.

„Weiterbildung hört beim Chef nicht auf“
Sonderumfrage: Betriebe setzen auf Qualifizierungsangebote

Die Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Dortmund messen der Fort- und Weiterbildung einen hohen Stellenwert bei. Rund 67 Prozent wollen damit die Kompetenzen der Mitarbeiter fördern. Die Hälfte aller Befragten setzt so zudem auf Mitarbeiterbindung. Etwa 40 Prozent wollen durch entsprechende Angebote ein positives Image vermitteln und Fachkräfte dazugewinnen. Besonders gefragt sind technische Qualifizierungen. 60 Prozent haben eine solche Fort- und Weiterbildungsmaßnahme bereits in Anspruch genommen. Aber auch Zeitmanagement und Arbeitstechniken sind gefragt.
 
Handwerksbetriebe sind offen für moderne, digitale Formen der Bildung, was sich nicht zuletzt im digitalen Qualifizierungsbedarf widerspiegelt. Allerdings werden diese auf Grund von Unsicherheiten noch verhalten genutzt. 11 Prozent bevorzugen Webinare als Form der Weiterbildung, 10 Prozent mobiles Lernen mittels App oder E-Learning. Lediglich 3 Prozent zeigen sich offen für eine Kombination aus E-Learning und Präsenzveranstaltung, dem sogenannten Blended Learning.

Geschäftsführer Detlef Röll von der Röll Metallbau GmbH, das seit über 60 Jahren sehr erfolgreich am Markt ist, erklärt, warum die regelmäßige Fort- und Weiterbildung von Mitarbeitern für ihn wichtig ist: „Um den hohen Qualitätsanforderungen in unserem Gewerk gerecht zu werden, sind Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen unabdingbar. Nur so erzielen wir ein bestmögliches Ergebnis für unsere Kunden und haben langfristig Mitarbeiter, die unseren Fachbetrieb auszeichnen. Weiterbildung hört beim Chef nicht auf. Gerade in Zeiten der Digitalisierung, können Chancen nur genutzt werden, wenn das gesamte Team neuem Wissen offen gegenübersteht.“ 
 
Betriebe nutzen die unterschiedlichsten Bildungsträger bei der Auswahl der Schulungseinrichtung. Produktenbezogene Angebote von Herstellern nutzen drei von vier Betrieben. Insbesondere institutionelle Angebote, wie von der Handwerkskammer Dortmund werden von 26 Prozent der befragten Handwerksbetriebe wahrgenommen. Die Verwendung digitaler Bildungsangebote, wie etwas kostenfreie Fort- und Weiterbildungen bei Anbietern von Online-Seminaren, nimmt stetig zu und  befindet sich mit rund 10 Prozent allerdings auf noch relativ niedrigem Niveau.