28. März 2019 Handwerk Region Ruhr trifft Ruhr-Bischof Franz-Josef Overbeck


(c) Wilfried Meyer

Am Ende des ersten gemeinsamen Zukunftsgesprächs der Handwerksorganisationen und des Bischofs von Essen, Franz-Josef Overbeck zur Entwicklung der Region Ruhr hatte Anfang September 2017 hatte ein positives Signal gestanden: Der Wunsch nach einem überfälligen Aufbruch in ein „neues Ruhrgebiet“. Die Folgeveranstaltung am Mittwoch (27. März 2019) in der Katholischen Akademie Wolfsburg konkretisierte die gemeinsamen Erwartungen nun unter dem Titel „Bildungschancen und Innovation durch mehr mittelständisches Unternehmertum.“

Als Spitzenrepräsentanten der Arbeitsgemeinschaft Handwerk Region Ruhr trafen die drei Kammerpräsidenten Andreas Ehlert (Düsseldorf), Berthold Schröder (Dortmund) und Hans Hund (Münster) mit Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck und dem Leiter der Katholischen Akademie, Dr. Michael Schlagheck, zusammen. Den Impuls zum Gespräch lieferte mit Professor Dr. Christoph M. Schmidt niemand geringerer als der Vorsitzende des Sachverständigenrats und Präsident des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung. Bildung, konkret: duale Aus- und Fortbildung, die auch zu verstärkter und nachhaltiger Gründungstätigkeit führen müsse, sei der Schlüssel für gelingende Integration, technologische Modernisierung und Wachstum im einstigen Industrierevier.

„Wir wollen, dass in der Region Ruhr eine qualifizierte Arbeitnehmerschaft und ein breit verankertes Unternehmertum zum Träger von Wertschöpfungsprozessen im Zeitalter der Digitalisierung werden“, brachte Münsters Kammerchef Hund das strukturpolitische Petitum des Handwerks in der ersten Impuls- und Diskussionsrunde auf den Punkt. Erst exzellente Angebote der beruflichen Bildung einschließlich dualer und trialer Ausbildungsstudiengänge der „Höheren Berufsbildung“ seien geeignet, dem akademischen Qualifizierungstrend Paroli zu bieten, einen Aufwuchs an Fachkräften zu stimulieren und auf diese Weise auch den Boden für die bislang unterdurchschnittlich ausgeprägte unternehmerische Selbstständigkeit zu verbreitern, machte Dortmunds HWK-Präsident Schröder den Entwicklungs-Ansatz des Handwerks deutlich.

Düsseldorfs Kammerpräsident Andreas Ehlert erklärte: „Der Strukturwandel erfordert einen Mentalitätswandel: Es kann bei der Neuausrichtung der Ruhrpolitik nicht nur um neue politische Projekte gehen, sondern wir brauchen eine grundlegende Neuausrichtung auf ordnungspolitische Rahmenbedingungen für mittelständisches Unternehmertum in der Region. Gewerbeflächen, Bürokratieabbau, Abgabenbelastungen sind dazu nur drei wichtige Stichworte.“

Der Wirtschaftsweise Schmidt hatte in seiner Key Note Rahmendaten zur Strukturentwicklung im Raum zwischen Ruhr und Lippe beigesteuert, die die vom Handwerk und der Katholischen Kirche herausgearbeiteten Ansatzpunkte „Bildung, digitale Chancen und unternehmerische Selbstständigkeit fördern“ klar bestätigten. Ruhrbischof Overbeck, der im Beirat der Ruhrkonferenz der Landesregierung derzeit besonders eng in die aktuelle politische Debatte um die Zukunft der Region eingebunden ist, schlug ebenfalls zuversichtliche Töne an: „Der Weg in eine gute Zukunft wird gelingen, wenn wir uns auf dynamische Prozesse und Innovationen einlassen. Wir leben in einer digitalen Welt und müssen in diesen Strukturen denken lernen, was insbesondere die jüngere
Generation schon sehr selbstverständlich tut. Deshalb sollten wir uns an ihren Fragen und Perspektiven orientieren.“


Foto: (v. l.): Berthold Schröder, HWK Präsident Dortmund; Hans Hund, HWK Präsident Münster; Franz Overbeck, Bischof von Essen; Dr. Michael Schlagheck, Akademiedirektor;
Dr. Judith Wolf, stv. Direktorin Akademie Wolfsburg; Prof. Dr. Michael Schmidt, Präsident Leibniz Institut und Andreas Ehlert, HWK Präsident Düsseldorf