04. Dezember 2017 Große Nachfrage: Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse


Rund 1.350 Personen, die Qualifikationen im Ausland erworben haben, ließen sich seit in Kraft treten des Berufsqualifikations-feststellungsgesetz (BQFG) am 1. April 2012 bei der Handwerkskammer (HWK) Dortmund  zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse beraten. 272 Anträge auf  eine solche Anerkennung wurden in den letzten fünf Jahren bei der HWK Dortmund gestellt. Seit 2012 wurden insgesamt 171 Anträge entschieden dabei wurde in 68 Fällen eine vollständige Gleichwertigkeit bescheinigt. 75 Fälle wurden mit einer Teilgleichwertigkeit beschieden und bei 28 Fällen erfolgte keine Gleichwertigkeit. Gemeinsam mit den Experten der HWK Dortmund wurden bei den Beratungen stets auch alternative Wege erörtert, um einen Einstieg in den Arbeitsmarkt zu finden.
 
HWK-Mitarbeiter Björn Woywod hat bei der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse schon vielen Menschen weiterhelfen können. Im Zuge dessen nutzt er seit über fünf Jahren das Berufsqualifizierungsportal (BQ-Portal) – eine Informationsplattform mit Schwerpunkt auf ausländischen Bildungssystemen und Berufsabschlüssen, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi). „Es dient mir als Arbeitshilfe bei der Suche nach passenden Informationen zu Berufsabschlüssen im Anerkennungs-verfahren“, so Woywod. Auch für Unternehmer sei die Plattform nützlich, als Hilfe, um ausländische Abschlüsse besser deuten zu können.
 
Bei einer Veranstaltung des BMWi’s in Berlin wurde Woywod für seine intensive Nutzung des Portals sogar ausgezeichnet Damit gehört er zu den Top 20 von über 380 Nutzerinnen und Nutzern, die die meisten Berufsprofile und Prüfergebnisse in das Portal eingestellt haben. Über die Auszeichnung hat er sich gefreut: „Das zeigt, wie stark die Nachfrage bei der HWK Dortmund bezüglich der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse ist.“
 
 
Kontakt:
Björn Woywod
Tel: 0231 / 54 93163
Mail: bjoern.woywod@hwk-do.de
bq-portal.de

Story:

„Eigentlich bin ich froh, dass ich genügend Zeit bekommen habe.“
 Informationselektroniker aus Bosnien konnte beruflich Fuß fassen
 
Schwerte/Hagen. Aldin Huzejrovic war noch ein kleines Kind, als er vor knapp 20 Jahren nach Deutschland kam. Der Bosnienkrieg trieb ihn und seine Familie damals Richtung Westen. Erst mit sechs Jahren kehrte er wieder zurück in seine Heimat. Dort besuchte er die Schule – machte anschließend eine Ausbildung zum Elektrotechniker. 2015 kam der junge Mann zurück in das Land, das ihm vor zwei Jahrzehnten Sicherheit bot. Sein Ziel: In Deutschland langfristig Fuß fassen. Vor allem beruflich. „Um hier in meinem Gewerk arbeiten zu können, brauchte ich die Anerkennung meines bosnischen Berufsabschlusses.“, erzählt der 24-Jährige in tadellosem Deutsch. Das war auch essenziell für die Verlängerung seines Visums.
 
Um den Prozess ins Rollen zu bringen, suchte Huzejrovic, der kurz nach seiner Deutschland-Rückkehr als Praktikant in einem Schwerter Informationstechniker-Betrieb untergekommen war, mit seinem
damaligen Chef die Handwerkskammer (HWK) Dortmund auf.
 
HWK-Mitarbeiter Björn Woywod nahm sich der Sache unmittelbar an. „Nach Sichtung aller Unterlagen und Rücksprache mit Berufsexperten konnte festgestellt werden, dass die von Herrn Huzejrovic in Bosnien absolvierte Ausbildung mit der deutschen Ausbildung zum Informationselektroniker in Teilen gleichwertig ist.“ Für eine volle Gleichwertigkeit habe es aber zu große Abweichungen von deutschen Standards gegeben. „Die fachpraktischen Fähigkeiten waren noch nicht ausreichend vorhanden“, erinnert sich Woywod.
 
Was sich für manche eventuell wie ein kleiner Rückschlag anhören mochte, war für den jungen Bosnier jedoch eine enorme Chance. Denn: bereits durch die anerkannte Teilgleichwertigkeit seines Berufsabschusses konnte Huzejrovics Visum verlängert werden. Zumindest um die Zeit, die er brauchte, um seine berufliche Praxis den deutschen Standards entsprechend anzupassen. Und so setzte er sein Praktikum fort, um die noch fehlenden Fähigkeiten zu erwerben.
 
 Insgesamt 18 Monate dauerte es, vom Beginn des Praktikums bis zur erneuten Antragsstellung. Dann passte alles. Der Gleichwertigkeits-bescheid wurde ausgestellt. Huzejrovic: „Eigentlich bin ich froh, dass ich genügend Zeit bekommen habe, meine praktischen Fähigkeiten intensiv weiterzuentwickeln. In Bosnien wird nicht so detailliert geschult wie in Deutschland. Und da ich hier gerne leben und arbeiten wollte, brauchte ich natürlich alle entsprechenden Kenntnisse.“
 
Mittlerweile arbeitet er in Vollzeit als Informationselektroniker in einem Hagener Unternehmen. Sein Visum wurde um ein weiteres Jahr verlängert. Er blickt positiv in die Zukunft: „Ich hoffe, ich kann mir hier eine Existenz aufbauen. Vielleicht sogar irgendwann als Meister.“