Lara Servais
Lara Servais

Viel dazulernen, wenig dafür ausgeben

Mit einem Weiterbildungsstipendium kam Goldschmiedin Lara Servais zu mehr beruflicher Handlungsfähigkeit

Es war reiner Zufall, dass Lara Servais sich dafür entschied, Goldschmiedin zu werden. „Eigentlich ging es mir während meiner beruflichen Orientierungsphase vor allem darum, mit meiner künstlerischen Begabung im besten Fall auch meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können“, sagt die junge Frau, die aus Paderborn stammt, nun aber in Hamm arbeitet. Doch das schien zunächst gar nicht so einfach. Durch ihr Umfeld wurde sie irgendwann auf jenen Handwerksberuf aufmerksam, in dem sie sich nach einem kurzen Praktikum ihre berufliche Zukunft vorstellen konnte. Ihre Ausbildung zur Goldschmiedin begann sie unmittelbar danach. „Die Mischung aus Kreativität, chemischen Elementen und filigransten Handarbeiten hat es mir angetan“, erzählt Servais. Kaum verwunderlich, dass sich die Leidenschaft für ihren Beruf auch in den sehr guten Abschlussnoten ihrer Gesellenprüfung widerspiegelte. Damit hatte Servais beste Voraussetzungen, um sich für ein Weiterbildungs-stipendium zu bewerben. Das wusste sie, tat es – und bekam es. Ein Prozess, bei dem ihr Cornelia Teipel, Mitarbeiterin der Handwerkskammer (HWK) Dortmund und Ansprechpartnerin für das Weiterbildungsstipendium, zur Seite stand.

„Frau Servais legte ihrer Bewerbung ein kurzes Motivationsschreiben bei, was noch einmal unterstrich, mit wie viel Engagement und Antrieb sie ihr Handwerk ausübt. Darüber hinaus war sie sich schon sehr im Klaren darüber, welche ambitionierten Pläne sie mit dem Stipendium realisieren wollte“, erinnert sie sich. Mit der Zusage standen Servais über einen Zeitraum von maximal drei Jahren jährlich bis zu 2.700 Euro für anspruchsvolle Weiterbildungen zur Verfügung. „Am 1. Januar 2020 wurde der Förderbetrag von insgesamt 7.200 Euro auf 8.100 Euro angehoben. Zwar bekam Frau Servais das Weiterbildungsstipendium bereits zwei Jahre zuvor, trotzdem wurde ihr Verfügungsrahmen auf die aktuelle Summe angehoben“, so Teipel.

Lara Servais nutze das Stipendium in vollen Zügen. Von der CAD-Fortbildung über Scherer-Kurse bis hin zu Filigrantechniken – die 27-Jährige wusste, was sie will. Sechs Mal hat sie sich bereits seit Erhalt des Stipendiums in unterschiedlichsten Richtungen weitergebildet. „Die Kurse habe ich mir selbst gesucht. 90 Prozent der Kosten dafür wurden durch das Stipendium abgedeckt, darin waren auch Fahrt- und Unterkunftskosten enthalten“, sagt Servais. 10 Prozent der Kosten habe sie selbst getragen. Für den verbleibenden Betrag von über 2.500 Euro gab es auch schon Pläne, doch das Leben der jungen Goldschmiedin änderte sich unerwartet. Im Juli 2020 wurde sie Mutter. Ein Ereignis, das berufliche Prioritäten zumindest für einige Zeit in den Hintergrund rückte. Servais: „Ich habe mich kurz nach der Geburt meines Kindes gleich bei der HWK Dortmund danach erkundigt, ob mein Anspruch auf das Weiterbildungsstipendium auch noch mit Elternzeit-Unterbrechung bestünde.“ Die Antwort lautete „Ja“. So kann sie ihr Stipendium unter Abzug der Elternzeit für die verbleibende Zeit trotzdem weiternutzen. Und sie weiß auch schon wie: „Im kaufmännischen Bereich möchte ich unbedingt noch dazulernen und tiefer in unternehmerische Prozesse blicken.“ Servais hat bereits zwei von vier Modulen im Intensiv-Meisterkurs für Goldschmiede absolviert, der Rest soll in naher Zukunft folgen.

Bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber, einem Juwelier, fühlt sich Servais als einzige Goldschmiedin sehr wohl. „Mir wurde von meinem Chef viel Verantwortung übertragen aber auch eben so viel Vertrauen entgegengebracht, daran konnte ich wachsen und wurde auch durch die ganzen Fort- und Weiterbildungen immer handlungsfähiger“, betont sie. Den Weg in die Selbstständigkeit könne sie sich theoretisch auch vorstellen. Als erstes stünde nach der Elternzeit aber erst einmal wieder die Praxis an, begleitet durch die anstehenden Weiterbildungen.

Hintergrund

Seit 1991 unterstützt das Förderprogramm der Bundesregierung begabte junge Absolvent*innen einer Berufsausbildung mit einem Weiterbildungsstipendium. Finanziert wird das Programm vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Durchgeführt wird es von den Kammern und zuständigen Stellen für Berufsbildung. Im Kammerbezirk befinden sich durchschnittlich rund 100 Stipendiaten in der Förderung, die über drei Jahre läuft Jedes Jahr können zwischen 35 und 40 Neuaufnahmen erfolgen Etwa 200.000 Euro stehen jährlich an Fördermitteln zur Verfügung.

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