Doris Arndt Möbelrestauratorin
HWK Dortmund / Hanke

Geschichtsträchtig

Möbelrestauratorin Doris Arndt gibt historischen Möbeln neuen Glanz.

Etwas eingerückt befindet sich an der Vormholzer Straße in Witten-Herbede die Tischlerwerkstatt Doris Arndt. Eine zierliche Frau mit Brille und hellblauer Latzhose öffnet die Tür zu ihrer ganz eigenen Welt. Es riecht nach Staub, altem Holz und Lack. Alte Schränke, Tische und Kommoden stehen herum. An manchen Möbeln blättert die Farbe ab, andere besitzen wiederum Macken. Man beginnt eine Zeitreise durch verschiedene Epochen.

 „Das Schöne bei Möbeln ist, dass sie sehr viel Geschichte auf engstem Raum haben. So ein Möbelstück, das in Benutzung gewesen ist, hat ganz viel erlebt“, sagt Doris Arndt. Die 60-Jährige ist Möbelrestauratorin. Ihre Liebe zu den alten Schätzchen entwickelte sich während ihrer Tischlerlehre 1984. Ihr Lehrmeister steckte sie mit seiner Begeisterung für antike Möbel an. 1995 absolvierte Arndt ihre Meisterprüfung. Im Jahr darauf machte sie sich selbstständig.

 Die Werkstatt teilt sie sich mit zwei weiteren Tischlern. Eigene Mitarbeiter oder Auszubildende hat die Möbelrestauratorin aber nicht. „Ich mache meine Sache ganz alleine, weil ich bestimmte Ansprüche habe.“ Jedes Möbelstück sei einzigartig. Der Druck beim Schleifen, das Holz und die Oberfläche seien immer unterschiedlich. Neben historischem Wissen über die Entwicklung von Material, Werkzeugen sowie Konstruktions- und Oberflächentechniken seien handwerkliches Geschick und ein gutes Auge für die Ausübung des Berufs wichtig. Ein ganz elementarer Teil der Tätigkeit sei die Bestandsaufnahme. Dazu fertige Arndt zunächst hunderte Fotos an, um Schäden an dem Möbelstück oder Spuren von Material oder Handwerkszeugen zu dokumentieren. Weitergeben will sie ihr Wissen aber trotzdem. Seit 2004 gibt sie Seminare an der Akademie Schloss Raesfeld, wo sie auch das Studium zum „Restaurator im Tischlerhandwerk“ absolviert hat. Zudem ist Arndt im Vorstand des 2019 neu gegründeten Dachverbands der Restauratoren im Handwerk (VRH).

 Die meisten Möbel stammen aus Privatbesitz. Viele Auftraggeber sind inzwischen zu treuen Stammkunden geworden. Besonders sei der Restauratorin ein mit Leder überzogener Vertreterkoffer - innen mit Papier ausgekleidet, mit ganz vielen Schlössern und Fächern - aus Amerika in Erinnerung geblieben.

 In tagelanger, mühsamer Kleinarbeit hat Arndt gerade einen 150 Jahre alten Schrank aus der Neorenaissance restauriert. Holzwürmer haben den alten Schrank an der Rückseite zerfressen. Wer genauer hinsieht, erkennt, dass die Verzierungen nicht wie ursprünglich mit Holz, sondern mit Pinsel und Farbe erneuert wurden. Man sieht, dass etwas fehlt.

 „Die Tatsache, dass was fehlt, zeigt, dass das Möbelstück alt ist und etwas erlebt hat“, so die Restauratorin. Der Erhalt der Substanz und der Funktionen sowie das Bewahren von Geschichtsspuren seien ihr wichtig. Ein altes Möbelstück nur wieder schön zu machen, sei nicht ihr Anliegen. Die Möbelstücke nach der Restaurierung wieder abzugeben, fällt der 60-Jährigen jedoch nicht ganz leicht. „Man bekommt eine Beziehung zu den Möbeln. Das sind meine Kinderchen.“ Für Ablenkung ist jedoch gesorgt, denn schließlich hat die Restauratorin immer viel zu tun. Bis September 2020 ist sie bereits ausgebucht.                                 

 Hintergrund

Die drei großen handwerklichen Restauratorenorganisationen, der Restaurator im Handwerk e.V., die Fachgruppe Restauratoren im Handwerk e.V. und der Verband der Restauratoren im Zimmererhandwerk e.V. haben sich 2019 zu einer gemeinsamen Dachorganisation zusammengeschlossen. Der Verband der Restauratoren im Handwerk e.V. (VRH) bündelt die Interessen der Restauratoren im Handwerk und will zukünftig mit einer Stimme die Präsenz in der Öffentlichkeit verstärken.

 

Sarah Hanke
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